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"Morula", Nitschmuseum


video, 2,50 min, loop,
fotos auf alu, je 21 * 200, serie (limitierte auflage)

morula - Vater schafft Test

Verschiedene überdimensionale, Zell ähnliche Blasen treiben scheinbar zufällig über feindliche Landschaften, einzeln oder verbunden, zart, verletzbar, durchscheinend, geheimnisvoll, wachsend. Ihre Reise folgt keinem Prinzip, sie wurden als Fremdkörper in eine unpassende Umgebung gesetzt. Und doch ist diese Zellwanderung gleichzeitig Symbol für das höchste Mass an Planung, wenn auch nicht nur menschlicher.


In der frühesten Phase der Embryonalentwicklung ist die Zufälligkeit des Zusammentreffens männlicher und weiblicher Körperzellen nämlich auf irritierende Weise mit dem extrem prädestinativem Charakter des der Zelle innewohnenden Genoms verbunden. Das heißt: Die grundlegende Information für die weitere Entwicklung steckt bereits in den zwei Zellen - deren Zusammentreffen ist aber gleichzeitig ein chaotischer Prozess.

Diese Dualität gilt auch für andere Bereiche. In der zwischenmenschlichen Kommunikation etwa liegt jedem zufälligen Zusammentreffen die innere Prädisposition der Beteiligten zugrunde, die die weitere Entwicklung der Beziehung mitbestimmt. Oder: In der familiären Konstellation zwischen Vater und Tochter, zwischen Kinder und Eltern treffen ebenso Zufall und Vorbestimmung aufeinander. Und so direkt auf den Leib gerückt, wird das Abstrakte dieser Dualität schnell konkret.

Aber es kommt noch eine dritte Komponente ins Spiel. Der endgültige Test für den homo sapiens wird neben dem Zufall und der inneren Ordnung auch wesentlich vom eigenen Handeln bestimmt. Die Prädisposition wird disponibel, das Chaos geordnet, das Abstrakte kann sich mit jeder selbstbestimmten Handlung anders konkretisieren. Mit der Initialzündung der ersten Zellteilung (medizinische Stadien: Morula, Blastula, Gastrula) ist nicht mehr, aber auch nicht weniger als die Testanordnung für das weitere Leben geschaffen. Vater schafft Test. Mutter schafft Test.